Ein erster Blick auf das Kinect SDK v1.5
Dienstag, 12. Juni 2012
Am 21. Mai 2012 hat Microsoft die finale Version des Kinect SDKs für Windows v1.5 freigegeben. Der produktive Charakter dieser Version äußert sich im Besonderen durch die Tatsache, dass nun auch eine reine Runtime-Version verfügbar ist, und so für den Betrieb von Kinect Anwendungen keine Entwicklungsumgebung mehr installiert sein muss.
Die neue Version verlagert die intensiven Berechnungen der Sensordaten aus der Kinect Hardware hin zum Windows Computer, und viele dieser Berechnungen werden auf Systemebene mit einer hohen Priorität ausgeführt („Kernelland-Berechnungen“). Dies führt zu einer (im Vergleich zur Vorgänger- und XBOX- Version) bis zu 5x höheren Abtastrate und Genauigkeit. Aus diesem Grund ist es auch möglich mit höher aufgelösten Bilddaten zu arbeiten, was wiederum die Bild- und Videoqualität steigert und so eine attraktivere und schärfere Darstellung in Anwendungen ermöglicht.
Der Hauptaspekt des Kinect Systems ist und bleibt das „Skeletal Tracing“, also die Auflösung von Personen vor dem Sensor in digitale „Skelette“, deren Position, Gesten und Haltung von entsprechenden Kinect-Anwendungen weiterverarbeitet werden kann. Auch hier hat sich viel getan: Während der Mindestabstand von 1.5m entfällt und auch sitzende Personen nun erkannt werden können, wurde vor allem an der Automatik gearbeitet. So wurde eine deutlich verbesserte Fehlerkorrektur eingebaut, die es dem Programmierer nun ohne viel Aufwand ermöglicht auch genaue Bewegungen zu erkennen und abzubilden. Auch Drehungen und die relative Haltung von Körpern und Extremitäten im Raum sind ohne zusätzliche Arbeit auslesbar. Dies alles führt dazu, dass nun endlich auch Präzisionssteuerungen und fehlertolerante Anwendungen mit Kinect möglich werden – was vorher nur mit viel Aufwand und komplexen zusätzlichen Berechnungen realisiert werden konnte.
Neben dem zuvor erwähnten Skeletal Tracing, welches den gesamten Körper einer Person erfasst, unterstützt das Kinect SDK nun auch die Bestimmung des Kopfes im Nahbereich. Vor allem zur Erkennung von Gesten und Stimmung können nun Position, Form und Haltung von Augen, Lippen, Brauen und des gesamtes Kopfes ermittelt werden, was vor allem für die Robotik und Interaktion von Computern und Menschen interessant sein dürfte.
Für Entwickler wird die spannendste Neuerung das „Kinect Studio“ sein. Diese kostenlos verfügbare Software ermöglicht das Aufzeichnen und spätere Abspielen von jeglichen Sensordaten die das Kinect System bietet. So muss nicht mehr jeder Entwickler über ein eigenes Kinect verfügen, und während der Entwicklung muss nicht zwingend auf Livedaten zurückgegriffen werden.
Alles in allem hat Microsoft mit der Version 1.5 einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht und gezeigt, dass sie daran interessiert sind Kinect von der reinen Spielkonsolenerweiterung hin zu einer ernsthaften und zuverlässigen Mensch-Maschine Schnittstelle zu entwickeln. Weiter so!
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